Donnerstag, 4. Oktober 2018

Warum ging ein deutscher Fleischer in Schweden in Konkurs?



Vor einiger Zeit meldeten hiesige Medien, dass ein in meiner unmittelbaren Nachbarschaft lebender deutscher Fleischer Konkurs anmeldete. Dies berührte mich doch etwas und mit diesem Hintergrund entstanden folgende Zeilen. Natürlich ist es immer unschön, wenn wer auch immer Insolvenz anmelden muss. Natürlich stellt man sich unweigerlich dann immer die Frage: Musste dies wirklich sein? Diese Frage stellt man sich um so mehr, wenn davon Schluss endlich eine regionale Traditionsmarke betroffen ist, die nun vom Markt zu verschwinden droht. Eine Marke die schon 1939 entstand und noch vor wenigen Jahren von damaligen Betreibern gefertigt im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde war.





Für mich sind nun zwei Ursachen maßgeblich für besagten Konkurs:
  1. Ja, es gibt in Schweden aus verschiedenen Gründen einen Bedarf an Würsten nach deutschem Rezept.
  2. Deutsche Auswanderer sind immer gut beraten, in der Fremde miteinander zu kooperieren.
Kommen in diesem speziellen Fall nun beide Dinge zusammen, dann kann man wahnsinnig viel Erfolg in Schweden haben oder eben auch scheitern. Gerade das Wurst machen nach deutschem Rezept und idealerweise nach deutschen Reinheitsgebot, also ohne Geschmacksverstärker will wirklich gelernt sein. Vor allem schwedische Kunden, die hier zu einem deutschen Fleischer gehen, wollen doch dann auch wirklich deutsche Wurst und nicht genau das kaufen, was Sie auch in jedem Supermarkt an der Ecke bekommen. Auch wenn das Fleischerhandwerk einfach aussieht, ist es eben nicht so einfach, wie sich das manche Zeitgenossen eben so vorstellen. 

Der zweite Punkt hat sehr viel mit der Mentalität einiger hier lebender Deutscher zu tun. Wer gerade in der Fremde nicht bereit ist zu kooperieren, wird hier Schiffbruch erleiden. Während es gut und gern in einer deutschen Grossstadt immer möglich ist, den eigenen Egoismus zu kaschieren, fällt er um so hier in den einsamen Wäldern Schwedens genau denjenigen immer auf die Füsse, die aus purem Egoismus nicht kooperieren möchten. In meinem Buch "Auswandern nach Schweden 2.0 Business in und mit Schweden" finden Sie weitere Überlegungen zum Thema Kooperation. Es ist im Buchhandel erhältlich.

Gut werden Sie nun sagen und mich sicher fragen wollen: Warum hilfst Du ihm dann nicht? Ich tue diese nun einzig und allein deshalb nicht, weil man immer nur jemanden helfen kann, der sich helfen lassen will. Sehr sehr gut kann mich noch daran erinnern, welches Hauen und Stechen um das Jahr 2008 begann, als besagte Fleischerei zum Verkauf stand. Da besagtes Hauen und Stechen absolut nicht unsere Art ist, zogen wir uns vornehm zurück und widmeten uns dem Aufbau unseres Balticproducts.eu - Ihrem nordeuropäischen Warenhaus seit 2007.

Vor nun reich zwei Jahren reichte ich ihm mehrfach die offene Hand. Wir hätten ihn liebend gern bei der Vermarktung seiner Produkte unterstützt. Schließlich gibt es ja viele hier lebende Deutsche wie Einheimische, die gern einmal eine deutsche Wurst kosten. Auch ist es für uns wirklich egal, ob wir sagen wir ein schickes nordisches Messer versenden oder dafür sorgen, dass Würste unter Kühlung transportiert werden. In beiden Fällen müssen wir nur ein Paket packen.



So sehe man mir bitte nach, dass ich ihm nun nicht mehr helfe. Wer es in mehreren Jahren Nachbarschaft nicht ein einziges Mal fertig bringt, die paar Meter zu uns zu laufen, um bei uns anzuklopfen braucht dann wirklich keine Hilfe von uns. Der kann nun sehr sicher auf kompetente Hilfe anderer Menschen in Form des Insolvenzverwalter der ganz persönlichen Wahl bauen. 

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