Freitag, 24. August 2018

Gut zu wissen - Die Anerkennung deutscher Berufsabschlüsse in Schweden

In einem voran gegangenem Beitrag beschäftigte ich mich mit dem schwedischen Bildungssystem. In diesem Beitrag geht es konkret um die Frage, wie in Deutschland erworbene Abschlüsse in Schweden anerkannt werden bzw. sind. Frei nach Fontane ist dies ein wahrlich sehr weites Feld und frei nach Goethe ach doch grau alle Theorie. Zwar legt die EU klar und deutlich fest, wie es diesbezüglich aussieht, nur ist dies mit Verlaub etwas salopp gesagt frei nach Marx die Theorie und Murks die Praxis. :-( In meinem Buch "Auswandern nach Schweden 1.0" gehe ich näher auf dieses Thema ein. Sie erhalten es im Buchhandel.


Dieses Drama hat sehr viel mit der Heterogenität des deutschen Bildungssystems zu tun und sei am Beispiel des Heilerziehungspfleger, auch HEP genannt, in etwa so erklärt:
  • Diesen Beruf gibt es schlicht weg nicht in Schweden.
  • Logisch dass sich dann EU hin und EU her, hiesige Arbeitgeber sehr sehr schwer mit der Anerkennung tun.
  • Wissen Sie doch gar nicht, was drinnen ist in der Tüte auf der geschrieben steht HEP. 
Ist doch schon in Deutschland nicht ganz klar, ob ein HEP auch bundesweit in allen deutschen Bundesländern problemlos anerkannt ist. Die Bundesländer haben diesbezüglich eher intransparente Regularien entwickelt. Kein Wunder, dass dies seitens der Träger in der Kritik steht. Anders ist bspw. diese Forderung nicht erklärbar. Bei vielen anderen Berufen ist dies nicht anders. Bleibt die spannende Frage:

Wie soll ein schwedischer Arbeitgeber entscheiden?

Getreu dem Motto, was der Bauer nicht kennt usw. usf. wird er immer demjenigen den Vorzug geben, der einen deutschen Abschluss oder hiesigen Abschluss vorweisen kann, unter dem sich dieser etwas vorstellen kann. Dies ist bei den klassischen MINT Berufen absolut kein Problem! Da diese auf den Naturwissenschaften basieren, ist es logisch, dass ein Heizungsmonteur in Schweden gleichen Gesetzen folgt wie ein Elektriker, Dachdecker usw. usf. Kritisch wird es immer bei den sogenannten Logen Berufen.

Doch was sind Logen Berufe?

Logenberufen sind Berufe die auf Loge enden. Psychologe ist bspw. ein klassischer Logenberuf. Pädologe, Soziologe usw. usf. ebenfalls. Je mehr sich nun der Logenberuf weg vom Menschen hin zum Schluss endlich nicht mehr Greifbarem bewegt, desto schlechter kann sich der hiesige Arbeitgeber etwas darunter vorstellen. Desto geringer selbst redend die Jobchancen eines Soziologen usw. usf. Bleibt die Frage:

Wie das Dilemma dann lösen?

Variante Eins besteht darin, es auf der MINT Schiene anzugehen. Diese ist eine sichere Bank in Schweden. Wenn es dann doch irgendeine Logie sein soll, dann ist es immer noch besser, diese hier zu studieren denn in Schweden. In meinem Buch "Auswandern nach Schweden Teil 2.0" beschäftige ich mich tiefer mit dieser Thematik. Sie erhalten dieses Buch ebenfalls im Buchhandel.

Variante Zwei besteht darin, Zeit einzuplanen, um im Rahmen hiesiger Erwachsenenbildung einen schwedischen Abschluss zu erreichen. Dies kann der Form geschehen, in dem man hierher geht und bei hiesigen Bildungsträgern einen oder mehrere Kurse belegt. Dies ist nicht nur bei Gesundheitsberufen sinnvoll, sondern in anderen Berufen auch. Immer in dem Moment wo diese sich in welcher Art und Weise ausserhalb von MINT bewegen, ist dies sinnvoll

Ein Beispiel ist der Handel. Hier gilt einfach, was im deutschen Handel üblich ist, muss es nicht zwingend in Schweden sein. EU hin und EU her, gibt es doch nach wie vor einige Unterschiede, was sich vor allem in hiesigen rechtlichen Regelungen niederschlägt. Das dürfte auch erklären, warum der Abschluss eines Einzelhandelskaufmann in Deutschland nicht zwingend zu einem Job im schwedischen Handel führen muss. 

Schluss endlich ist aber die gesamte Diskussion um die Anerkennung in Deutschland erworbener Abschlüsse Ermessenssache. Wenn die berühmte Chemie stimmt, werden Arbeitgeber und Bewerber immer einen Weg finden, um ggf. geforderte Zertifikate etc. zu erlangen. Wichtig ist dass beide Seiten aufeinander zu gehen. Dabei sollte sich jeder deutsche Bewerber über eines im klaren sein: Er will hier arbeiten.  Sein potentieller Arbeitgeber hat schon einen Job! Und damit zu einer letzten spannenden Frage:

Mit Skandinavistik Studium nach Schweden?

Eher nein! Das auch dann, wenn immer wieder Menschen denken, ein Skandinavistik Studium ist der Türöffner auf den schwedischen bzw. skandinavischen Arbeitsmarkt. Mir Verlaub jeder der hier in welchem Beruf auch immer tätig ist, hat schon auf Grund eigenen Erlebens mehr zum Thema Skandinavistik zu sagen, als jemand, der dies studiert. Selbst in einem mehrwöchigen Urlaubsaufenthalt im hohen Norden kann man mehr über Land und Leute erfahren, als im Studierstübchen. Hier schliesst sich der Kreis zu Fontane und Goethe. Die Skandinavistik ist ein sehr sehr weites Feld und gerade diesbezüglich sehr grau alle Theorie.





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