Montag, 27. Mai 2019

Warum haben Schwedens Grüne gestern so viele Stimmen verloren?


Diese Frage wurde mir heute morgen gleich mehrfach gestellt. Nur kann auch ich diese Frage nur so beantworten: Offenbar finden sich viele schwedische Wählerinnen und Wähler bei dem, was Schwedens Grüne, die Miljöpartiet, im vergangenen Wahlkampf publizierte nicht wider. Sonst hätten diese ja grün und nicht etwas anderes gewählt. In Zahlen ausgedrückt, verloren die schwedischen Grünen knapp vier Prozent.

Gut möglich, dass so manch Schlammschlacht, die in der letzten Woche geführt wurde, Grünen wie auch den Sozialdemokraten auf deren Füsse fiel. So dumm ist nämlich der mündige Wähler nicht, dass er nicht schon lange unterscheiden kann, was normaler Wahlkampf ist und was unterhalb der Gürtellinie. Auch gilt in Schweden noch immer, dass man die eigene Haustür sauber haben sollte, bevor man auf andere zeigt.

Drum sei es wie es sei! Das aktuelle Wahlergebnis spiegelt meiner bescheidenen Meinung nach ganz gut die aktuelle Stimmungslage in Schweden wider.

Freitag, 24. Mai 2019

Erfolgreich mit der richtigen Strategie auswandern


Wir leben heute in einer Zeit, wo das Wort Strategie mehr und mehr inflationär benutzt wird und das meist von den Zeitgenossen, die sich durch folgendes auszeichnen: Von nichts eine Ahnung, aber davon jede Menge. Anlass besagtem Thema weiter nach zu gehen und damit gleich zur ersten Frage:

Was ist eigentlich eine Strategie?

Eine Strategie bezeichnet in ihrem Kern nie etwas anderes als die Art und Weise, wie man langfristig ein Ziel erreichen möchte. Mehr aber auch nicht! Die Betonung liegt dabei auf den Worten langfristig und Ziel. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass alles was der Zielerreichung dient, im Interesse der eigenen Strategie ist und dem folgend alles andere nicht. 

Dazu ein Beispiel:

Nehmen wir an, Sie planen 2020 zum Nordkap zu fahren. Dann liegt ab heute alles, was im Interesse der Erreichung dieses Ziel ist, im Interesse Ihrer Strategie zum Nordkap zu fahren und alles andere dem folgend nicht. 

Daraus leiten sich dann Teilziele ab:

Das wichtiges Teilziel ist immer, Sie brauchen Geld, um diese Reise bezahlen zu können. Beginnen Sie nun von heute an zu sparen, dann rückt Ihr Ziel mit jedem Euro, den Sie beiseite legen näher. Sparen Sie nicht auf diese Reise oder reisen gar woanders hin, dann entfernen Sie sich von Ihrem Ziel namens Nordkap.

So einfach ist das mit der Strategie!

Und genau deshalb scheitern immer wieder Deutsche hier in Schweden. Der Kardinalfehler, den viele deutsche Auswanderer bezüglich Schweden machen, besteht darin, sich von obigem Bild leiten zu lassen, was auch als Bullerbü Syndrom bekannt ist, ich berichtete. Natürlich kann man immer in Schweden so schöne Abende wie den am 24.05.2019 in Orrefors erleben. Nur ist das immer nur die eine Seite der Medaille. Die andere lautet:

Sie benötigen einen Plan!

Um genau dieses Ziel erreichen zu können. Dieser Ihr Plan ergibt sich aus Ihrer Strategie. Und das ist das eigentliche Geheimnis. Mehr aber auch nicht! Haben Sie konkrete Vorstellungen, wie Sie hier in Schweden leben wollen, dann wird Ihre Auswanderung erfolgreich sein. Haben Sie sie nicht, dann wird sie scheitern.





Donnerstag, 23. Mai 2019

Jobchance: Arzthelferin in Schweden


Der Zeitung Barometern vom 23.05.2019 auf Seite 14 folgend beginnt die Provinz Kalmar Län ab Herbst diesen Jahres mit einer zweijährigen Ausbildung als Arzthelferin, hier medicinska sekretare genannt. Die Ausbildung schliesst mit hier anerkannten Zertifikaten ab.

Welchen Vorteil hat das für deutsche Auswanderer?

Es ist aus nachvollziehbaren guten Grund noch immer so, dass bei ausländischen Abschlüssen im Gesundheitswesen hier in Schweden eine aufwändige Legitimation  erfolgt. Das hängt einfach damit zusammen, dass hier andere Anforderungen gestellt werden und obendrein der potentielle schwedische Arbeitgeber mit so manch deutscher Erfindung wie bspw. des Heilerziehungspfleger herzlich aber eben sehr wenig anzufangen weiss. Da können alles in allem schon mal zwei Jährchen so in das Land gehen, bis man alles so wie gewünscht beisammen hat. Dies Zeit kann man eben auch nutzen, in dem man eine hiesige Ausbildung belegt. Ergo steigt die Chance bei entsprechend guter Bezahlung in den Job einzusteigen, wenn man eben von sich sagen kann, man hat eine schwedische Lehreinrichtung besucht. Ggf. kann man vielleicht sogar während der Ausbildung eine finanzielle Stütze über CSN beantragen. Wäre noch zu klären.

Wie hoch sind Job Aussichten?

Sehr sehr hoch! Schweden hat nach wie vor einen sehr hohen Bedarf an motiviertem medizinischem Personal aller Fachrichtungen. Dies zeigt sich auch daran, dass hier Arbeitnehmer jenseits der 50 problemlos diesbezüglich in Lohn und Brot gelangen, was bekanntlich in deutschen Landen vorsichtig ausgedrückt nicht ganz so einfach ist.

Dienstag, 21. Mai 2019

Warum machen viele Schweden keine Überstunden?

Im März diesen Jahres beschäftigte ich mich schon einmal mit dem Thema Überstunden. Nun greift es Frau Ricarda Richter in einem Artikel der Zeitschrift "Zeit" auf. Was sie dort schreibt, klingt sicher für so manche deutsche Ohren ungewohnt, es stimmt aber tatsächlich. Wäre nur noch zu klären:

Warum machen viele Schweden keine Überstunden?

Weil sie schlicht weg unproduktiv sind! Das ist der einzige Grund. Diese Erkenntnis ist nun so neu nicht. Wer sein täglich Pensum tagsüber bis nachmittags gegen 16:00 nicht schaffte, der wird es sicher nicht in der geforderten Qualität bis 18:00 oder gar 20:00 schaffen. Es liegt nun einmal in der Natur der Sache, dass der Mensch im Regelfall morgens am Leistungsfähigsten ist.  Nicht ganz grundlos findet ja in den Schulen der Unterricht vormittags und nicht nachts statt. Wichtig ist weiterhin:

Hier wird geklotzt und nicht gemeckert!

Nach wie vor ist es gute Sitte in Schweden, dass Sven Svensson sein ureigenes Interesse darin sieht, die ihm gestellte Aufgabe zeit- und qualitätsgerecht zu erfüllen. Deshalb auch nie auf die Idee kommt, welche gestellte Aufgabe auch immer permanent zu hinterfragen. Was dabei heraus kommt, kann man gerade beim Thema Patientenakte in deutschen Landen sehen. Der Sender n-tv berichtet heute unter der Überschrift "Jeder Arzt kann alle Daten sehen", dass mit beabsichtigter Einführung der elektronischen Patientenakte jeder Arzt alles sehen kann. Der Patient also nicht die Möglichkeit hat, ihn betreffende sensible Daten selbst zu schützen. Selbst Jahre lang in diesem Thema unterwegs kann ich darüber nur meinen Kopf schütteln. Schon Anfang Juni 2003 legte legten die Spitzenverbände der deutschen IT Industrie Szenarien vor, wie genau das realisiert werden kann, was nun plötzlich nicht gehen soll. Seitdem wurde aber eben in deutschen Landen soviel über das Thema ePA geredet, dass es heute gänzlich zerredet ist.

So etwas gibt es in Schweden nicht!

Was natürlich auch jede Menge Zeit spart und damit jedem Gelegenheit gibt, sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren. Praktisch stellt sich dies für uns so dar: Der fleissige Fedex Fahrer, der jeden Tag unsere Pakete abholt, kam noch nie auf die Idee zu hinterfragen, ob denn die Adressen auf den Paketen richtig seien. Auch kam er noch nie auf die Idee, welches Bedenken auch immer zu artikulieren. Das erklärt natürlich, warum er sein Pensum schafft und jeden Tag pünktlich Feierabend hat. Auch würden ihm ja Überstunden nichts bringen. Deshalb senden wir ja nicht mehr Pakete pro Tag :-)


 




Donnerstag, 16. Mai 2019

Steigende Immobilienpreise in Schweden


Nachdem sich Anfang April der schwedische Immobilienmarkt stabilisierte, ich berichtete, verzeichnet nun der hiesige Immobilienmarkt wieder eine Preissteigerung. Dies geht aus einem Artikel der Dagens Nyheter hervor. Im Vergleich zum Vormonat ist eine durchschnittliche Preissteigerung von rund einem Prozent zu verzeichnen, im Vergleich zum letzten Quartal sind es je nach Lage zwischen zwei und drei Prozent. In Gänze stieg die Anzahl von Verkäufen im Vergleich zum April des Vorjahres um 10%

Was heisst dies nun aber?

In erster Linie dass es offensichtlich mehr und mehr Menschen in Schweden geben muss, die Interesse daran haben, ihre Immobilie zu verkaufen. Das kann einerseits damit zu tun haben, dass man eben momentan noch immer einen guten Schnitt machen kann. Es kann aber auch damit zusammen hängen, dass dies oder jener vielleicht verkaufen muss, um an Geld zu kommen. Auch das ist möglich. 

Wie sieht dies konkret aus - ein Beispiel?

In unserem kleinen Dörfchen Orrefors steht momentan eine Immobilie mit rund 71 Quadratmetern auf knapp 1.300 Quadratmeter Land zu einem Preis von 465.000 Kronen zum Verkauf. Dies ist in Anbetracht aktueller Marktlage ein sehr sehr guter Preis. Vollkommen dahin gestellt, dass Immobilien dieser Bauart noch vor wenigen Jahren für weit weniger zu haben waren. 

Schwedens Regierung bestellt Chef von Klarna ein

Dies geht aus einer Meldung des Svenska Dagbladet hervor. Ursache dessen wachsende Unzufriedenheit im Lande mit Klarna. Mehr und mehr Kunden landen offensichtlich durch Klarna Käufe in der Schuldenfalle. Wobei fairerweise gesagt werden muss, dass ja nun wirklich niemand gezwungen wird, mit Klarna zu bezahlen oder als online Shop Betreiber Klarna anzubieten. Gibt es doch mittlerweile hinreichend viele Möglichkeiten auch ohne Klarna durch das Leben zu gehen.

Dienstag, 14. Mai 2019

Schwedische Parteien setzen auf Atomkraft

Einer Meldung des schwedischen Fernsehens folgend setzen die Moderaterna und die Kristdemokraterna unter Bezug auf eine Publikation der Dagens Nyheter weiter auf Atomkraft. Vertreter beider Parteien sind der Ansicht:

Atomkraft hat ein grosses Potential!

Ein weiterer Aspekt betrifft den geplanten Ausbau der Elektromobilität. Wenn alle in Schweden zugelassenen Autos auf Elektroantrieb umgerüstet würden, entspräche dies einem zusätzlichen Bedarf von 11 TWh pro Jahr. Ausgehend von einer auf 20 Jahre angelegten Umstellung entspricht dies einem jährlich wachsenden Strombedarf von 0,5 TWh. Will man also dieses politische Ziel umsetzen, dann müssen auch schlicht weg die dazu nötigen Voraussetzungen geschaffen werden. 

Nach wie vor haben die Windkraft wie die Photovoltaik einen Naturgesetz bedingten Webfehler. Beide sind im wahrsten Sinne des Wortes von Wind und Wetter abhängig. Hinzu kommt, dass bei der Übertragung der Elektroenergie von den gerade im Struktur schwachen Lappland entstehenden Windparks in die Ballungsgebiete im Süden Schwedens sehr hohe Verluste entstehen, die der Fachmann auch Blindleistung nennt. Dies Blindleistung, der Name sagt es, ist wahrlich blinde Leistung. Sie wird während der Übertragung in Wärme umgewandelt und trägt damit auch zur Klimaerwärmung bei. Nur vergessen das gern viele Menschen. Hinzu kommt:

Das Netz ist kein Speicher!

Auch wenn das so manche selbst ernannte Weltverbesserer permanent behaupten. Es kann nie ein Speicher sein, weil das Netz im Kern nichts anderes als ein schnödes Stück Kupferkabel ist. Und derjenige, der es schafft, in sagen wir einem Meter Kupferkabel was auch immer zu speichern, der kann sich sehr sehr sicher schon einmal einen guten Anzug für die nächste Nobel Preis Verleihung kaufen. 

So ist durchaus nachvollziehbar, dass beide genannte Parteien, in der Atomkraft genau die Brückentechnologie sehen, um das politische Ziel langfristig nur noch erneuerbare Energie einzusetzen, Realität werden zu lassen. Gibt es doch der Forschung wie der Wirtschaft hinreichend Zeit, dazu auch die nötigen Voraussetzungen zu schaffen. Eine könnte bspw. lauten, endlich wieder Elektroenergie dazu zu erzeugen, wo sie benötigt wird. Das war noch in den 1920er Jahren durchaus üblicher Standard in Schweden. 

Auch ist dieser Ansatz so neu nicht. Steht es doch in Einklang mit der am 10.06.2016 getroffenen Energieöverenskommelsen zwischen Regierung und Opposition. Schweden hat seit Anfang 2015 eine rot grüne Minderheitsregierung.

Samstag, 11. Mai 2019

Wettbewerbsvorteil: Schweden hat eine eigene Währung

Zu dieser Schlussfolgerung kommt dieser Tage Björn Wahlroos. Einer Meldung des finnischen Hufvudstadsbladet folgend bezeichnete er Finnlands Beitritt zum Euro als einen Fehler. Er sagte weiterhin:

"Vi sitter fast i en tysk valuta med en finsk arbetsmarknad"  
"Wir sitzen fest mit einer deutschen Währung in einem finnischen Arbeitsmarkt"  

wie die Zeitung weiter schreibt. Im Ergebnis dessen verzeichnet die finnische Wirtschaft seit rund zehn Jahren ein Null Wachstum während Schwedens Bruttosozialprodukt konstant wuchs. Ursache dessen die Möglichkeit der schwedischen Reichsbank flexibel im Interesse der schwedischen Wirtschaft reagieren zu können. Genau das kann die finnische Nationalbank schon lange nicht mehr. Sie ist immer nur der verlängerte Arm der Europäischen Zentralbank. In Zahlen ausgedrückt stellt sich dies so dar:
  • Vor zehn Jahren lag der Wechselkurs der SEK zum EUR am 13.05.2009 bei 1: 10,73.
  • Am 10.08.2012 erreichte er die Marke 1: 8,81.
  • Am 10.05.2019 lag er bei 1:10,79 und damit in etwa auf dem Wert vor zehn Jahren.
Dazwischen lag die Griechenland- wie diverse andere Krisen. Auf all diese konnte die schwedische Wirtschaft auf Grund einer eigenständigen Währung ganz ganz anders reagieren als die an den Euro gebundene finnische Wirtschaft. Dabei spielt es absolut keine Rolle, wie gross bzw. klein die jeweilige Unternehmung ist. 

Donnerstag, 2. Mai 2019

200.000 Deutsche wandern jährlich aus


Das schreibt zumindest das Manager Magazin im August 2018. Eine recht beachtliche Zahl! Das schwedische statistische Zentralbüro SCB vermeldet, dass im Jahr 2018 51.140 Deutsche in Schweden gemeldet waren. Das schwedische Fernsehen berichtete am 29.04.2019 dass allein in Småland rund 3.000 Häuser Deutschen gehören. Dies ganz nüchterne schnöde Zahlen mit doch beachtlichem "Sprengstoff".

Das Manager Magazin schreibt in gleichem Artikel, dass es momentan in Deutschland nur noch
15 Millionen Menschen real wirklich Steuern zahlen. Alle anderen Steuerzahler zahlen nichts anderes als Steuern von Steuern, die andere für sie erwirtschafteten. So bspw. Politiker wie Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst, alles in allem momentan rund 12 Millionen Staatsbedienstete. Im Zuge dessen hat die eingangs genannte Zahl von 200.000 deutschen Auswanderern eine um so höhere Brisanz. Und wie immer im Leben gilt auch hier:

Was des Einen sin Uhl, ist dem Anderen sin Nachtigall!

Der nach wie vor vorhandene Zustrom qualifizierter Arbeitskraft aus deutschen Landen nach Schweden stärkt natürlich das hiesige Gemeinwesen. Auch hindert ja Deutschland nun wirklich niemand daran, etwas an dieser Situation zu ändern. Allerdings gilt auch hier in Schweden:

Klotzen, nicht kleckern und vor allem nicht meckern!

Wer hierher nach Schweden geht, der sollte ganz konkrete Vorstellungen von seinem zukünftigen Leben hier haben. Vor allem davon, wie er hier seinen Lebensunterhalt verdient. Dabei kann kameradschaftliche Hilfe unter Landsleuten nicht das Verkehrteste sein. Auch ist es ganz zweckmässig, sich schnell in das hiesige Gemeinwesen zu integrieren. Dazu gehört neben dem Erlernen der Sprache die Akzeptanz, dass Schweden eben doch etwas anders ist.